How-To: Häkeln mit Mohair

Wie oft ich wohl in den letzten Jahren  supersofte Mohair-Seide Bällchen beäugt, befühlt, bewundert habe, und mich nie traute, mal eins mitzunehmen… Wie oft ich die flauschigen, großmaschigen gestrickten Traumtücher bewundert habe und mir wünschte, so etwas Zartes mit der Häkelnadel zaubern zu können … unzählige Male.

Für komplizierte Häkel-Lace-Muster hatte ich nie die Nerven, schon gar nicht mit so einem anspruchsvollen und schwer zu zähmenden Kidsilk-Mohair-Fädchen. Und ich muss auch zugeben, dass ich gehäkeltes Mohair oder auch brushed Alpaka nicht immer besonders schön finde – nicht leicht, nicht luftig genug, wenn man immer zwei Schlaufen auf einmal mit der Nadel umarmen muss und wulstige Stäbchen dabei herauskommen. Das wird der federleichten Anmut, die von Mohair ausgeht, einfach nicht gerecht. Nun liegt aber inzwischen schon recht lange so ein kleines hübsches Röllchen Ito- Sensai in Knallgelb bei mir im Regal, und an den 2 tollen Grau -und Wassertönen konnte ich neulich auch einfach nicht vorbeigehen. Da musste ich mir etwas einfallen lassen.

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit zarten Flauschgarnen wie Mohair-Seide oder brushed Alpaka-Seide zu häkeln, so dass es schön aussieht und nicht allzuviele Nerven kostet. Versucht man, einen einzelnen Mohairfaden mit einer 2,5 Nadel zu bändigen und womöglich noch irgendwelche Blümchenmuster dabei entstehen zu lassen kann das schnell in Schweißhänden und Wutausbrüchen enden, jedenfalls bei mir. Es mag Andere geben, die da gelassener bleiben. Die Sache ist, dass der Faden eines solchen Garns eben erstmal sehr sehr dünn erscheint und man deshalb denkt, eine kleine Nadelgröße sei richtig. Ist es aber zumeist nicht, denn der Haken Deiner Nadel muss auch diesen ganz kaum sichtbaren Flausch der dünnen Härchen mit erfassen. Ist der Haken zu klein, flutscht Dir das Garn ständig weg und das nervt, weil man nicht mehr flüssig häkeln kann. Außerdem verhaken sich die Härchen beim Häkeln – Mohair ist wahrscheinlich das am schwersten zu entwirrende Garn überhaupt. Aufribbeln ist riskant, und für mich keine Option. Uns geht ja nun aber in erster Linie um den Spaß bei der Sache, und der kann bei Mohair schnell mal flöten gehen.

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Lange Rede, kurzer Sinn. Was musst Du nun beachten, wenn Du mit Mohair arbeiten willst, im nächsten Jahr auch noch andere Sachen vor hast und bei allem auch noch ein schönes, „mohairiges“ Projekt dabei herauskommen soll? Wie gesagt, es gibt verschiedene Herangehensweisen, die ich hier einmal zusammengetragen habe. Probiere ein bisschen herum und finde heraus, was für Dich machbar ist und Dir am meisten Spaß macht.

Häkeln mit Mohair – 5 Tipp

  1. Häkle langsam und erlaube großzügige Bewegungen mit Deiner Nadel. Die feinen Härchen benötigen Zeit und Raum, um sich zu entfalten, und der Haken muss eine großzügige Bewegung machen, um alle Härchen zu erfassen.
  2.  Nimm eine verhältnismäßig große Nadel und probiere mehrere Nadelstärken aus. Ignoriere die Nadelstärke, die auf der Banderole angegeben wird. Sie bezieht sich meistens sowieso nur auf Stricken. Und beim Häkeln kommt es einfach sehr stark auf deine Technik, die Nadel  und das Projekt an.
  3. Nimm den Faden doppelt. Ein doppelter Mohairfaden ist einfacher zu händeln und ergibt ein dichteres Maschenbild, ist dann natürlich auch etwas dicker und wärmender.

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    Brushed Alpaka-Silk mit Holst Garn „Coast“

  4. Verarbeite das Garn  zusammen mit einem anderen Lace-Faden. Dies erleichtert das Häkeln deutlich und meistens ist wegen dieser Erleichterung auch zu verschmerzen, dass die Häkelarbeit nicht ganz so fein wird wie ein einfädiger Mohairfaden. Dafür ist Dein Projekt aber auch nicht ganz so sensibel.
  5. Verwende einen einfachen Stich. Mohair ist ein aufregendes Garn, ich würde es sogar als sexy bezeichnen. Weil das Garn so eine Hingucker ist, bedarf es normalerweise keines komplizierten Musters mehr, im Gegenteil, ich finde, damit kann man die Attraktivität des Garns sogar wieder kaputtmachen. Bleibe bei einem einfachen Grundmuster, lass die Wolle für sich sprechen. Das schont auch Deine Nerven.Einfaches Stichmuster nach dem Waschen und Spannen
  6. Verwende einen Stich oder ein Muster, das Zwischenräume und Unregelmäßigkeiten verträgt. Es ist schwierig, Mohair und vergleichbare Garne wieder aufzuribbeln, ohne das sich alles verhakt. Man muss sehr  vorsichtig sein. Ich selbst habe meist nicht die Geduld dazu und wähle deshalb meistens Stiche, bei denen kleine Fehler nicht so auffallen und ich einfach drüberhäkeln kann.

Das sind meine persönlichen Tipps, um mit Mohair zu häkeln. Als nächstes möchte ich Euch eine Anleitung für einen einfachen Mohairschal zeigen, aber dazu muss ich ihn erstmal fertighäkeln 🙂

 

 

 

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