Häkeln – das richtige Finishing

Obwohl ich ja eigentlich zu den Leuten gehöre, denen ein „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“ auf die Stirn tätowiert gehört, bin ich beim Häkeln ja immer ganz vorbildlich und penibel. Deshalb habe ich es mir auch schon vor langer Zeit zur Gewohnheit gemacht, alle Häkelstücke sofort zu waschen und ggf. zu spannen, wenn sie fertig sind. Wer das nicht macht, sei es aus Unwissenheit oder aus Faulheit („bei mir passt das immer, ich hab das noch nie gespannt. Maschenproben find ich auch überbewertet“), der oder die weiß es einfach nicht besser und sollte sich einmal die Erfahrung gönnen, um wieviel schöner das Maschenbild wird, wenn man die Häkelarbeit oder Strickarbeit einfach mal eine Viertelstunde in lauwarmes Wasser mit ein bisschen Wollpflege legt und danach gemütlich durchtrocknen lässt.

Aber das scheint eine Glaubensfrage zu sein und ich will jetzt gar keine Diskussion um das Thema Maschenproben etc provozieren. Also, wenn Du das aus Prinzip nicht machst oder einfach keine Lust dazu hast, kannst Du jetzt für heute wegklicken 🙂

Habe ich eben wirklich „gemütlich durchtrocknen“ geschrieben? Wenn Du auch wäschst und spannst, dann kennst Du vielleicht diese gemischten Gefühle, wenn das Stück da so schlabberig und feucht auf der Spannmatte liegt. Die Wolle hat keinen Glanz und fühlt sich einfach nur nass an, die Farben sind durch die Feuchtigkeit verändert, die Maschen sehen ausgeleiert aus und überhaupt ist das doch jetzt viiiiel zu GROSS ?!

So geht es mir jedes Mal. Meine Matte ist eine überdimensionale Gymnastikmatte in einem unglaublich hässlichen Knallblau. Darüber liegt eine silbergraue Spannmatte, die wie eine Bügeldecke aussieht. Das ganze liegt auf dem Boden im Schlafzimmer und versperrt den Weg zum Balkon. Dann lege ich das feuchte Häkelbündel da drauf und versuche, es irgendwie in Form zu bringen. Dabei fluche ich sehr häufig, denn das Tuch ist jetzt viel größer als in trockenem Zustand und labbt überall an den Ecken drüber. Auf das Laminat kann ich aber keine Nadeln pinnen. Also muss ich improvisieren. Irgendwann ist das Teil dann mit Nadeln vollgesteckt und ich muss höllisch aufpassen, dass meine Kinder da nicht versehentlich drauftreten.

Und nun beginnen die qualvollen Stunden des Wartens. Im Sommer ist das kein Problem. Ein Nachmittag, und die Sache ist trocken. Im Winter aber, so wie jetzt, kann sich das Ganze schonmal über 2 Tage hinziehen. Schließlich soll es zur Schonung der Wolle natürlich trocknen. Auch kann ich nicht den ganzen Tag die Heizung auf 5 stellen, denn unsere Kleine schläft Mittags in dem Zimmer und davon abgesehen ist es auch einfach nicht zum aushalten, wenn es so heiß ist.  Heizung aus oder an,  auf dem Boden ist es so der so auch noch am kältesten und das Trocknen dauert am längsten. Jedes Mal, wenn ich das Schlafzimmer nun betrete, stelle ich mich vor die Matte und betrachte sorgenvoll den Trocknungsprozess, befühle das Material. Zieht sich das wohl wieder zusammen oder bleibt das so ausgeleiert? Hä, eigentlich soll das Maschenbild doch schöner werden, das sieht jetzt aber einfach nur aus, als hätte ich mich in der Nadelstärke vertan. Was habe ich mir nur bei der Farbe gedacht?

Das bleibt bis zum letzten Moment so und ich bin in dieser ganzen Phase sehr angespannt. Irgendwann ist es fast trocken und die Versuchung ist so groß, das Leiden zu beenden und die Nadeln abzumachen. Aber ich bleibe standhaft und warte ab, bis die letzte Feuchtigkeit verdunstet ist, denn nur dann hat das Spannen auch den gewünschten Effekt. Wenn ich dann ins Schlafzimmer komme, sehe ich sofort: Es ist fertig. Das ist wieder sehr aufregend, denn jetzt kommt es drauf an. War alles umsonst?

Hinknien, die Nadel abfummeln, vorsichtig anheben. Jetzt darf mich niemand stören, das ist ein sehr empfindlicher Moment, der Moment, indem das Projekt wirklich beendet und verabschiedet wird. Es fühlt sich gut an, trocken. Die Farben leuchten wieder. Und das Maschenbild, was ist mit dem Maschenbild?!.. Mmmhm, ein Traum. Es ist wunderschön.

 

 

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