Wörtlich: Raum für Kreativität

Fast schon banal:

Gestern fuhr ich von Neukölln nach Lichtenberg, um mir dort ein Atelier anzusehen. Gerade arbeite ich ja tatsächlich vom Esstisch im Wohnzimmer aus, was der Arbeitsmoral, dem Zeitmanagement und auch dem Selbstwertgefühl nicht gerade gut tut. Klar, ist ja „nur“ Häkeln, kann man ja überall machen. Aber mich ereilt hier das Problem, das viele FreelancerInnen – ja vor allem wohl die FreelancerINNEN betrifft: bist Du zuhause, bist Du auch zuständig fürs Tisch abräumen, Spielzeug wegräumen, Spülmaschine anschmeißen und und und. Du bist ständig erreichbar und in meinem Fall auch abrufbar : „Kannste mal grad…“

Nein, kann ich – eigentlich – nicht. Mache es dann meistens trotzdem. Ein alter Hut zwar, aber der Hut besteht offenbar aus sich selbst recycelnden Materialien und damit taucht das Problem immer wieder auf.

Außerdem wächst uns hier die Bude mit Wolle zu. Gerade arbeite ich an meinem zweiten Buch – eigentlich – . Faktisch steht seit einigen Wochen ein riesiger Karton mit Wolle aus den USA in der Wohnung und verbaut das eh schon kleine Schlafzimmer. Mein Wollregal reicht für die „normale“ Wolle auch schon lange nicht mehr und im Atelier meines Mannes steht neben der Nähmaschine auch noch ziemlich viel Stoff, Vlies und anderes Material rum. Naja und die Kleinkindertrinkflasche und die Knetpackung da vorne auf dem Tisch geben mir jetzt auch nicht gerade das Gefühl, an was ganz Wichtigem zu arbeiten.

Deshalb, wie gesagt, bin ich also gestern nach Lichtenberg gefahren, um dort Ateliers zu besichtigen. Fand dann auch gleich einen tollen, bezahlbaren Raum, den ich bitteschön jetzt sofort gern mieten würde.

Denn mir wurde gestern mehr als deutlich:

Ich brauche die halbe Stunde Fahrt von der Kita dahin, um den Kopf bereit zu machen für kreatives Denken, nicht Flieger basteln, und auch nicht „wie krieg ich das Geschirr von 4 Personen Frühstück jetzt noch in die Single-Waschmaschine rein“ – Denken. Frei für Farben, Muster, Stiche. Für repetitives, meditatives Häkeln. Es tut sehr gut, nicht Wohnstätte und Arbeitsraum miteinander zu vermischen, oder nur auf die andere Straßenseite zu müssen. Wir verreisen eh schon viel zu wenig, aber so ein bisschen Abwechslung in der Architektur, der sozialen Struktur, der öffentlichen Verkehrsmittel darf schon sein.

Der Raum ist so schön weiß, die Wände frisch gestrichen, in dicken Schichten. Der Boden einfach grau, mit so einem großen, komischen Fleck, da stand mal was, vielleicht eine rostige Tonne. Man sieht, dass hier vorher Leute gemalt haben, gespritzt mit Pinseln. Südseite, den ganzen Tag Licht. Der Ausblick auf einen Schrottplatz, ganz hinten im Bild genau in der Mitte der Fernsehturm. Geile Kulisse.

Ich hätte wirklich sehr gern diesen Raum, der mich schon so inspiriert. Ich stelle mir das einfach so schön vor, wie ich da sitze und kreativ bin, die Künstlerin mime.

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